Dorit von Runde Mode - Diversity Plus Size Bestager
Gedanken

Diversity

Benetton hatte damit angefangen.
Vor vielen Jahren, damals als ich noch jung war, hatte Benetton eine Werbekampagne mit Menschen, die anders aussahen.

Gibt’s Benetton eigentlich noch? Ich musste tatsächlich nachsehen und natürlich gibt es den Modekonzern noch. Nur ist mir Benetton völlig aus dem Blickfeld gerutscht.
Kurz nach der Benetton-Kampagne sprossen Ugly-Model-Agenturen aus dem Boden und vermarkteten Menschen, die wirklich anders aussahen. Unter diesen Ugly-Models gab es alles, Behinderungen, Besonderheiten oder Bodymodification und teilweise waren diese Models einfach nur hässlich, weil ugly heißt ja schließlich hässlich.

Werbestrategien

Diese Strategie war Absicht.
Und ja, es war nichts anderes als eine Strategie, um Aufmerksamkeit zu erzielen. In der Werbung ist alles gut, solange man das Interesse des Betrachters weckt.

Aufmerksamkeit erzielt man dadurch, dass sich etwas vom Gewohnten unterscheidet.
Die Ugly-Models waren bewusst ein Gegenpol zu den “richtigen” Models in Paris, London oder New York, die alle schlank und wunderschön über die Laufstege hüpfen.
Seit ein paar Jahren sind nun die Plus Size Models am kommen. Zu Benetton-Zeiten wären sie wahrscheinlich noch in die Kategorie Ugly gefallen. Heute sind die Plus Size Models nicht mehr ugly. Aber es gibt sie auch nur deshalb, weil sie gebraucht werden.
Plus Size Models sollen Plus Size Mode verkaufen.
Sogar in Germanys Next Topmodel gab es schon den Plus Size Ableger.

Warum das Ganze?
Ganz klar, der Markt ist groß!

Erstens gibt es immer mehr Menschen, die große Größen tragen.
Zweitens erheben die Dicken (ich darf „dick“ sagen, ich bin ja selber dick) ihre Stimme und sagen was sie wollen.
Und Drittens hat die Industrie, wahrscheinlich nach vielen Marktforschungs-Untersuchungen, festgestellt, dass es da eine große Zahl von Käufern gibt, die bedient werden wollen. Es ist also ein Markt da, es lockt der Umsatz, davon will jeder seinen Teil abbekommen.

Diversity – alles nur Mode?

Eigentlich geht der Artikel über Diversity. Zwei Arten haben wir nun schon abgehandelt, die Ugly-Models und die Plus Size Models. Ach ja, und die normalen spindeldürren immer noch angesagten Models, wie es sie schon immer gibt, haben wir auch erwähnt.

Der neueste Trend sind nun die Bestager. Das sind Leute wie ich, die Menschen über 50. Die haben graue Haare, Falten im Gesicht und spielen mit ihren Enkeln.
Seit eh und je werden in der Werbung junge Menschen angesprochen. Dieser Fokus auf die Jugend hat den Hintergrund, dass ein Marktforscher irgendwann einmal feststellte, dass die Menschen nur in jungen Jahren offen für Werbung wären. Die Alten wären markentreu und würden nicht mehr wechseln, mit anderen Worten wir sind festgefahren und lassen uns für nichts Neues begeistern.

OMG, dann sind die mir noch nicht über den Weg gelaufen.

Bestager

Scheint´s gibt es jetzt eine neue Studie, die jetzt etwas anderes besagt. Seit einigen Jahren gibt es für uns Alte nicht mehr nur Werbung für Doppelherz und Knoblauchpillen. Es fing mit Versicherungen und Finanzwerbung an, als man merkte, dass die Alten auf ihrer Kohle sitzen.

Nein, keine neue Studie sondern die Erkenntnis, dass die Alten Geld haben ist der Motor dieser Bewegung. Das ist es, nichts anderes als das liebe Geld. Denn an das Geld da wollen sie alle ran. Mittlerweile gibt es Bestager-Werbung für Kaffee, weil George Clooney ein Bestager ist und sexy. Makeup für die Bestager ist auch schon da und hier wird wie beim Kaffee mit gleich einer ganzen Riege von Schauspielerinnen über 50 geworben. Wie man sieht, die Alten sind im Kommen.

Alle paar Jahre kommt ein neuer Trend. Die Hässlichen, die Dünnen, die Dicken, die Alten. Jedes Klischee, jede Besonderheit wird bedient. Da frage ich mich, wann wird denn endlich mal einfach der Mensch bedient, der ganz normale, mit dem sich die allermeisten Kunden identifizieren können.

Tja, und da frage ich mich. Wann komme ich dran? Ich könnte sehr viele Themen abdecken: Bestager, weil ich 51 bin. Plus Size, weil ich Übergewicht habe. Brillenträger. Ugly, weil ich vergessen habe, mir die Haare zu färben. Und NORMALMENSCH, weil sich in meinen unterschiedlichen Aspekten viele Leute wiedererkennen können.

Diversity – ganz aktuell

Gerade ist die Fashionweek in Berlin vorbei. Dort gab es an allen Ecken und Enden das Thema Diversity. Und wie die Modewelt es will, gab es auch Diversity auf den Laufstegen, schließlich es ist ja gerade Thema und total angesagt.
Aber, und das stößt mir echt sauer auf, besonders in der ach so toleranten Plus Size Welt hört Diversity in der Regel bei 35 auf…nicht Kleidergröße…nicht Body-Mass-Index…sondern mit 35 Jahren. Ist die Diversity doch nur alles Thema, weil es gerade Mode ist und man damit Aufmerksamkeit und somit Umsatz generiert? Wundern würde es mich nicht in der bunten Welt der Mode, wo die Trends halbjährlich wechseln.

Warum schreibe ich das Ganze nun? Ganz einfach.
Ich bin Normalmensch, Mutter, berufstätige Frau, Plus Size und Bestager und so etwas möchte ich auf dem Laufsteg sehen.
Ich möchte Models mit denen ICH mich identifizieren kann!

Ach ja, und ich habe die Kohle für die Klamotten!

Eure Dorit

 

 

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